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Heinold fragte im August nach Karl Rauch


Hier die komplette Lösung des Rätsels: Karl Rauch (1897 – 1966), ein Gärtnersohn aus Markkleeberg bei Leipzig, half als Student in Redaktion, Vertrieb und Herstellung der von Hermann Hesse und Richard Woltereck in Leipzig herausgegebenen Zeitschrift „Vivos voco“ mit, ehe er bei Adolf Saal in Lauenburg, dem Zeitschriften- und Buchverleger der Freideutschen Jugendbewegung, ein knappes Jahr lang in praktischer Verlagsarbeit angelernt wurde.

1921 trat er ins Landsgemeindehaus in Dessau als Leiter der Buchabteilung ein – eine hochtrabende Bezeichnung für nicht mehr als die Verwaltung eines kleinen Büchertisches. Karl Rauch selbst – dem seine Freunde in späteren Jahren den Spitznamen Jodokus Qualm verliehen, wie ich aus eigener Erinnerung weiß – hat seinen Berufsstart in dem Erinnerungsband Der Schatten des Vaters – Ein Lebensbuch aus zwei Welten ausführlich geschildert. Das Buch kam 1954 bei Bechtle in Esslingen heraus. Ein für Herbst 1955 angekündigter zweiter Band (Der brüderliche Ruf) ist offensichtlich nicht erschienen, jedenfalls ist er bibliografisch nicht nachweisbar.

Ein Onkel gab ihm ein kleines Darlehen, er erwarb das „Landsgemeindehaus“ und führte es als Kunst- und Bücherstube Karl Rauch fort, wobei Professor Hugo Junkers, Inhaber der ortsansässigen Junkers-Flugzeugwerke, ihm, wie er selbst sagt, „einen etwas breiteren wirtschaftlichen Hintergrund“ verschaffte. Er veranstaltete Vorträge, kulturelle Abende und Dichterlesungen. „Der kleine Laden“, erinnerte er sich, „ stand binnen kurzer Frist im Mittelpunkt des geistigen Geschehens der Stadt.“ Allerdings ging das Unternehmen in der Inflation unter.

Rauch hatte 1923 einen kleinen Verlag angeschlossen, den er mitnahm, als er zunächst nach Leipzig als Lektor und Werbeleiter zum Wolkenwanderer-Verlag und darauf nach Berlin als Reisevertreter zu Franz Schneider ging, wo er für kurze Zeit in die Geschäftsleitung aufstieg. Zwei Jahre lebte er in der Lüneburger Heide als Redakteur einer wohl nicht sehr großen Zeitschrift und als Außenlektor für einen Stuttgarter Verlag, ehe er 1928 nach Berlin zurückkehrte und dort die Zeitschrift „Der Bücherwurm“ herausgab, die bis 1943 in seinem Verlag erschien, den er – vermutlich 1932 oder 1933 – wieder nach Dessau verlegte.

1939 gab er unter dem Titel Wind, Sand und Sterne“ Antoine de Saint-Exupérys Piloten-Erlebnisberichte in der deutschen Übersetzung von Henrik Becker heraus. Als erster Titel dieses Autors auf dem deutschen Markt war 1932 Nachtflug, aus dem Französischen von Hans Reisiger, bei S. Fischer erschienen. Saint-Exupérys Roman Südkurier, in Frankreich bereits 1928 erschienen, kam in deutscher Sprache erst 1949 bei Karl Rauch heraus.

Im März 1945 verlor Rauch bei einem britischen Bombenangriff auf Dessau Verlag, Lagerbestände und Wohnung, versuchte nach dem Einmarsch erst der US-, dann der Roten Armee einen Neuanfang in Leipzig, später mit Hilfe von Josef Caspar Witsch in Jena, verließ aber wegen Problemen mit den Behörden 1948 die Sowjetische Besatzungszone und siedelte sich am Rhein an. 1949 wurde der Graphische Großbetrieb A. Bagel Mitgesellschafter, der Verlag nahm seinen Sitz in Düsseldorf.

Noch in der SBZ hatte er die Übersetzungsrechte am Gesamtwerk von Saint-Exupéry erworben. Dazu gehörten auch die an der Erzählung Le Petit Prince, 1943 in New York und 1945 in Paris erschienen. Die deutsche Ausgabe, mit Zeichnungen des Autors, kam 1950 in der Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb heraus und begann sogleich ihren bis heute anhaltenden Siegeszug.

Nach dem Ausscheiden von Karl Rauch im Jahre 1953 führte sein langjähriger Mitarbeiter Harald Ebner den Verlag. 1979 wurde die Verlagsarbeit auf die Pflege des Werkes von Antoine de Saint-Exupéry eingeschränkt. Von Ebner ging die Verlagsleitung auf Dr. Tullio Aurelio über, der den bis heute im Besitz der Bagel-Gruppe befindlichen Verlag in Personalunion mit dem zur Cornelsen-Gruppe gehörenden Patmos Verlag führte. Ende Oktober 2007 zog der Verlag ins Haus der Muttergesellschaft A. Bagel; Dr. Aurelio schied bei Patmos aus, leitet aber weiterhin den Karl Rauch Verlag.

2008 ging der Karl Rauch Verlag eine Vertriebskooperation mit dem Deutschen Taschenbuch Verlag ein und übergab seine Verlagsauslieferung der KNO VA in Stuttgart.

Quelle: www.buchmarkt.de

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